Modefotografie: Beispiel Schuhe

Jenseits des bloßen Packshots beginnt für all jene, die professionell Schuhe ablichten, die hohe Kunst der Schuhfotografie. Immerhin hat die boomende Modeindustrie einen immensen Bedarf an Glamourfotos, die die Leserinnen der Hochglanzzeitschriften zum Träumen – und schließlich zum Kaufen des Produkts – bringen. Was daran so schwer ist, fragt sich der Laie. Das Modell bekommt die Schuhe angezogen, wird fotografiert, fertig. Doch weit gefehlt! Nicht umsonst gilt die Schuhfotografie als Königsdisziplin der Modefotografie!

Zunächst einmal heißt es, das zu fotografierende Schuhpaar auszuwählen. Ja, auch bei Schuhen gibt es mehr oder weniger fotogene Exemplare. Dabei eignen sich zum Teil ausgewählte Serienschuhmodelle. Wenn diese nicht vom Auftraggeber zur Verfügung gestellt werden, können diese am günstigsten in Onlineshops, oder auch Schuhhäusern, wie etwa RENO oder Deichmann erworben werden. Sollten sie zur Verfügung stehen, können sie auch mit Schuhgutscheinen kombiniert erworben werden. Jenseits der Massenartikel, um wirklich beeindruckende High Fashion-Bilder zu produzieren, braucht es jedoch ungewöhnliche Schuhmodelle, die man am ehesten in den Haute Couture-Kollektionen findet. Prada ist hier immer eine der ersten Anlaufadressen. Oder, ganz aktuell, die Herbst-/Winterkollektion 2010 Yves Saint Laurents. Designer Stefano Pilati verpasste den YSL-Pumps ganz im Sinne des hochaktuellen „Sculpted Heel“-Looks an den Hacken kleine stachelige Bürsten – schon waren die Irokesen-Schuhe geboren. Natürlich geht es hierbei nicht um Tragbar- oder gar Alltagstauglichkeit, sondern um Kunst. Und diese will ins rechte Licht gerückt werden.

Hat man sich erst einmal für das passende Schuhmodell entschieden, geht es an die Auswahl des menschlichen Models. Schließlich müssen Schuh und Trägerin – von der man auf dem fertigen Foto unter Umständen nur ein Stück Bein sehen wird – optimal miteinander harmonieren. Ein Model mit einem schlechten Körpergefühl wird sich auf extrem hochhackigen Schuhen kaum bewegen können – und das sieht man selbst auf Standaufnahmen oder wenn das Model sitzt bzw. liegt. Der Betrachter muss das Gefühl bekommen, die Schuhe wären kein Fremdkörper, sondern eine natürliche Verlängerung des Modelkörpers. Das sind Schuhe, mit denen die potenzielle Käuferin bis zu den Wolken fliegen kann!

Ein bisschen Haut, ein bisschen Bein – das muss kein plumpes Spiel mit der Erotik werden. Dezent und ästhetisch beispielsweise werden Schuhe vom Fotografenduo Mi-Zo in Szene gesetzt. Da wippt mal ein gekreuztes Bein, mal sieht man den Ansatz der Rundung des Model-Pos, und doch stehen stets die Schuhe im Vordergrund. Es gibt keine ablenkenden Details in der Bildkomposition. Ob Studio oder Outdoor, die Schuhe spielen die Hauptrolle, der Hintergrund ist gemäßigt bis ruhig. Perfektes Licht versteht sich von selbst, doch erst so manche extreme Modelpose wird den Schuhen den passenden Ausdruck verleihen – sprich: ihr Innerstes sichtbar machen. Denn für Fashionistas ist längst klar: Auch Schuhe haben eine Seele. Der Fotograf muss sie mit seinem geübten Auge nur noch einfangen.